Henke über HENKE

Wieso gibst Du bei fetisch:Mensch keine Interviews?

Oswald Henke: Das überlasse ich gerne Tim Hofmann und Jochen Schoberth. Meine Texte sagen genug aus. Ich muss denen nichts hinzufügen. Außerdem bin ich kein Freund von blabla Interviews. Die Leute werden schon in ausreichend Magazininterviews gelangweilt.
Polarisierendes wird sowieso fast immer herausgefiltert und nicht abgedruckt. Unabhängig ist man letztlich nur dann, wenn man keine Rücksichten nehmen muss und da ich bei keinem Fremdlabel unter Vertrag bin, mein Verlag sehr offen ist und meine Launen erträgt und ich gegenüber keinem, außer meinen Mitmusikern, Verpflichtungen eingegangen bin, lebt es sich völlig ungeniert.
In vielen Magazinen sind doch Bilder wichtiger als die Inhalte der Beiträge, naja, da kann ich doch gleich eine Anzeige schalten und informiere in diesen über das Wichtigste, z.B. wann oder wo ich mit HENKE oder fetisch:Mensch live auftrete oder eben mit einer Lesung gastiere.
Ich mag außerdem nicht, dass man oftmals nur dann interviewt wird, wenn man auch eine Anzeige schaltet. Schon mal jemandem die Abhängigkeit dieser Faktoren aufgefallen? Diese verstoßen übrigens eindeutig gegen das Presserecht. Ich glaube, ich habe es mir jetzt mit bald der kompletten Presse verscherzt, in jedem Fall mit der unabhängigen ...

Bist Du gerne provokativ?

Oswald Henke: Ich sage nur meine Meinung. Wenn das provoziert, liegt es wohl an der allgemeinen Langeweile, die viele Menschen in ihrem Leben empfinden und sich durch meine Äußerungen provoziert fühlen. Ich versalze gerne geschmacklose Suppen und das obwohl ich nicht akut verliebt bin ...
Andererseits weiß ich auch, dass ich eben das ausspreche, was viele Menschen denken und auch empfinden. Dieses Wissen bestärkt mich darin, diesen Weg weiterzugehen. Die Medien können mich totschweigen oder ignorieren, aber wozu gibt es das Internet, so mache ich mir eben des Raubkopierers Lieblingstool zum Komplizen, vom Feind zum Mittel zum Zweck. Informationen sind eben nicht elitär, müssen aber gefunden werden und wer interessiert ist, findet letztlich fast alles.
Also informiere ich über die Hompage www.oswald-henke.de und wer etwas über mich oder anstehende Projekte, Konzerte und Lesungen erfahren möchte, ist dort bestens aufgehoben.

Projekte?

Oswald Henke: JA, natürlich, ich möchte mit Markus wieder auf der Ebene Theater zusammenarbeiten und mit Herrn von Aster habe ich auch Wildes vor.
Ich bin im Vorrentenalter, da muss ich mich beeilen, all das zu machen, was ich mir noch so einbilde, machen zu müssen.

Gibt es ein großes Ziel?

Oswald Henke: JA, ich möchte am Grünen Hügel in Bayreuth eine Wagner Oper inszenieren.

Wirklich?

Oswald Henke: Wieso nicht, andere Mensch träumen davon, im Lotto zu gewinnen ... ich möchte eben eine Oper inszenieren und Wagner Opern finde ich einfach faszinierend, da man hier mit Regieeinfällen sämtliche Rahmen sprengen kann. Ich bin mir auch ganz sicher, dass ich nach der Premiere ausgebuht werde. Ich bin mir aber auch sicher, dass es anderen gefallen wird. Kreativität lebt von Wandel und Institutionen leiden leider oftmals darunter, dass sie irgendwann in eine Art Stasis übergehen. Aber Kunst und Sicherheit sind keine guten Verbündeten. Nur wenn man etwas wagt, kann man auch etwas gewinnen – aber auch ebenso scheitern.
Wenn man keine Angst vorm Scheitern hat, dann ist alles möglich. Also auch, dass ich irgendwann einmal eine Oper inszeniere. Ein Konzept habe ich bereits im Kopf.
Aber vorher erscheint sicherlich noch mein viertes Buch, in dem auch erstmals Kurzgeschichten enthalten sein werden.

An was glaubst Du?

Oswald Henke: Auch wenn es manchmal schwer fällt: An das Gute als den richtigen Weg. Ich denke nicht, dass man auf Dauer auf Kosten anderer oder zum Leidwesen anderer Menschen glücklich wird. Kurzfristiger Erfolg ist so sicherlich möglich, aber ich möchte mich gerne noch im Spiegel betrachten können ohne mich schämen zu müssen. Und ich glaube fest an das Leben, denn jeder Mensch hat eben nur das eine Leben und auch wenn es manchmal schwer fällt, es als angenehm zu empfinden, so bietet es doch jeden Tag neue Erfahrungen. Ich kann nur jedem raten, es nicht einfach wegzuwerfen oder ihm keine Wertschätzung beizumessen.
Man hat nur eine bestimmte Anzahl von Jahren zur Verfügung und diese sollte man nutzen. Auch auf das Risiko hin, Fehler zu machen. Das gehört zum Leben dazu, so wie man sich verliebt, ob glücklich oder unglücklich ... Das besondere am Leben ist, dass es immer spannend bleibt, solange man es aktiv erlebt und nicht nur passiv ablebt ...

Ist HENKE dann für Dich eine Interpretation von Leben?

Oswald Henke: Gute Frage, ich denke Ja, denn ich weiß nicht, ob ich mit diesem Vorhaben scheitern werde ...
Aber wenn, dann gehe ich mit wehenden Fahnen unter und ich weiß, dass ich Spaß haben werde, und ich denke, meine Mitmusiker ebenfalls. Wie werden wie ein kleiner Sommersturm über die Festivalbühnen toben und freuen uns über jeden, den wir mitreißen können.