Der dritte Abend ist nun fast vorüber
und es hat sich mal wieder gezeigt, dass keine Lesung von Oswald
Henke so ist wie die andere. Wer vermutet, dass bei jeder Station der
Lesereise die selben Texte vorgetragen werden, der irrt gewaltig.
Schon vor Beginn der heutigen Lesung deutete alles darauf hin, dass
es ein sehr schöner Abend werden sollte. Wir wurden sehr herzlich
und freudig von Mozart und Nanne empfangen. Da uns ein ausverkaufter
Abend bevorstand, machten wir uns keinerlei Gedanken über den
Verlauf der Veranstaltung, sondern trafen uns zu einem gemütlichen
Plausch im Mozart'schen Wohnzimmer. Um Mozart sogleich in unser
kleines Kollektiv zu integrieren, versuchten wir ihm den euphorischen
Ausruf „Subba“ beizubringen, was von leichten Timingproblemen
abgesehen auch recht schnell funktionierte. So präpariert starteten
wir kurze Zeit später Richtung Locco Baracco. Kaum kamen wir dort
an, musste Mozart auch schon wieder zurückfahren, da t.omate es
geschafft hatte, Nanne aus der eigenen Wohnung auszusperren. Um diese
Schandtat wieder gut zu machen, wurde er im Laufe des Abends zum
Getränkekisten schleppen abdegradiert. Unsere eben erwähnten
Timingprobleme verstärkten sich wie wir feststellen mussten im Locco
Barocco erheblich, da wir dort, wie wir vermuteten, mit räumlich
bedingten Schallverzögerungen zu kämpfen hatten, so dass mein
„Subba“ erst zwei-drei Minuten nach Henkes Frage ertönte (was
natürlich wirklich nur an einer Schallverzögerung lag und nicht
daran, dass ich nicht zugehört hätte). Diesmal verzichtete der
Henke gnädigerweise auf eine Schuldzuweisung. Nicht lange nach
Mozarts zweiter Ankunft an der Location strömten aus der Küche die
appetitanregensten Düfte. Wer als Gast ins Locco Barocco kommt, den
erwarten nicht nur wunderschöne und stimmungsvolle Räumlichkeiten,
sondern eine wunschlos glücklich machende Rundumbetreuung mit gutem
Essen und leckeren Getränken. Schon bevor jedoch die Küche auch nur
betreten wurde, der Einlass noch in weiter Ferne lag, tauchte ein uns
altbekanntes, blondes Wesen in Begleitung einer jungen Dame auf. Dies
wäre normalerweise nicht unbedingt erwähnenswert, denn was wäre
ein Auftritt ohne Publikum, doch in diesem Fall ist die Sache ein
wenig anders, da dieses spezielle Wesen irgendwie überall auftaucht
und grundsätzlich vieeel zu früh. Man fragt sich, wo ein Mensch so
viel Zeit hernimmt?! Aber egal, zurück zum eigentlichen. Die Lesung
selber sollte ein Ereignis mit Knalleffekt werden. Da, wie sich
herausstellte, kein minderjähriges Publikum anwesend war, konnte
Herr Henke sein erotisierendes Potential voll ausleben. Das war dann
selbst für den hitzebeständigsten Scheinwerfer zu viel, so dass
dieser bei „Wie schmeckt ein Kuss“ mit einem ohrenbetäubenden
Knall durchbrannte. Dabei begann der Abend eher düster mit „Das
schwarze Wesen“- ein Text, der auf keiner der ersten beiden
Lesungen dargebracht wurde. Sehr begeistert war Oswald von der sich
auf der Bühne befindlichen Lichttechnik, die auf Geräusche
reagierte und somit während der einzelnen Texte die Farbe wechselte
(eindrucksvoll von ihm demonstriert, indem er lautstark vor den
Lampen auf und ab sprang und „Rot, blau, violett, grün, gelb“
rief).
Etwas weniger Platz als der werte Herr
Henke auf der Bühne, hatten t.omate und ich hinter dem
Merchandisestand. Aber was ein geübter Verkaufslakai ist, kommt auch
mit dem kleinsten Raum aus und irgendwie sah es ja auch niedlich aus,
t.omate in unserem kleinen Kabuff sitzen und am Laptop werkeln zu
sehen. Dieses brachte ihn allerdings mehrfach an diesem Tag zum
fluchen, da die Verbindung doch eher mäßig war, selbst wenn er auf
der Straße sitzend den Arm wie eine Antenne in die Höhe streckte
(was zugegebenermaßen ein wenig seltsam aussah).
Als sich der Abend dem Ende neigte,
wartete dann noch eine leicht surreale Überraschung auf uns drei.
Irgendwie muss Mozart beim buchen der Nachtunterkunft etwas falsch
verstanden haben, oder hattet ihr schon mal Peitschen, Handschellen
und einen frei hängenden Metallkäfig im Hotelzimmer??? Wo kam
eigentlich der Schnee während der Lesung her und wieso war kein Emo
da? Fragen über fragen, während sich für mich die Frage nach dem
Swimmingpool geklärt hat. Es gibt Menschen, die deswegen aus
Freiburg hinterher reisen und uns heute wohl sogar bis nach Thun in
die Schweiz verfolgen.
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Kommentar von Shy | 2008-10-18
Kommentar von Barbara | 2008-10-18
Habe mich übrigens sehr sehr über die neue Textauswahl gefreut, man sollte eigentlich schon an der ganzen Lesereise teilnehmen, um sich die Werke komplett vortragen zu lassen *seufz*
P.S.: und wieso muss _ich_ eigentlich 9 und 8 addieren, und Shy nur 5 und 3? Die hatte es viel einfacher!!
Kommentar von Claudia | 2008-10-18
Aber ich hoffe ja, das es noch ganz viele Lesereise Termine an unseren freien WE geben wird.
Euch noch viel viel Spaß!
Drück
Claudia
Kommentar von Spectatorwelten | 2008-10-19
Trotz platzender Beleuchtung ein Licht im Tunnel der vielen Gedanken, Abgründe und Gefühlsachterbahnen. Danke Oswald Henke, danke Karlsruhe.
Tränenreicher Abend mit Nachdenkgarantie, FSK 18 Kindheitsbrauselutscherwohlfühlabend.
Wermutstropfen: Gefühlloserdesinteressecrewmitbegleiter von Oswald Henke.
Schlimmer kann man die Gedanken von Oswald Henke nicht schlagen! Schade!
Danke nochmals Oswald für deine Worte!
Kommentar von Oswald Henke | 2008-10-19
t.omate hat die alleinige Schuld auf sich genommen und wir mit einer Fleischschuld von 80g sühnen.
Ausserdem musste er heute 5 Mal auf Agonioze (pfui!) tanzen.
Ich, der neue König dieses Landes
O.H.
Kommentar von Constantin | 2008-10-19
Außerdem hat es sich bei dem Veranstaltungsort wirklich gelohnt früher da zu sein. Es war richtig gemütlich und sowohl fürs Leibliche als auch fürs geist(liche) gesorgt.
Gruß,
der Oswald-Groupie-Stalker
p.s: ich finde Euch... überall... noh bevor ihr da seid...