Reiseleitung »Seelenkonzil«

18.10.08 - Karlsruhe

2008-10-18 10:58 von sternblume (6 Kommentare)

Der dritte Abend ist nun fast vorüber und es hat sich mal wieder gezeigt, dass keine Lesung von Oswald Henke so ist wie die andere. Wer vermutet, dass bei jeder Station der Lesereise die selben Texte vorgetragen werden, der irrt gewaltig. Schon vor Beginn der heutigen Lesung deutete alles darauf hin, dass es ein sehr schöner Abend werden sollte. Wir wurden sehr herzlich und freudig von Mozart und Nanne empfangen. Da uns ein ausverkaufter Abend bevorstand, machten wir uns keinerlei Gedanken über den Verlauf der Veranstaltung, sondern trafen uns zu einem gemütlichen Plausch im Mozart'schen Wohnzimmer. Um Mozart sogleich in unser kleines Kollektiv zu integrieren, versuchten wir ihm den euphorischen Ausruf „Subba“ beizubringen, was von leichten Timingproblemen abgesehen auch recht schnell funktionierte. So präpariert starteten wir kurze Zeit später Richtung Locco Baracco. Kaum kamen wir dort an, musste Mozart auch schon wieder zurückfahren, da t.omate es geschafft hatte, Nanne aus der eigenen Wohnung auszusperren. Um diese Schandtat wieder gut zu machen, wurde er im Laufe des Abends zum Getränkekisten schleppen abdegradiert. Unsere eben erwähnten Timingprobleme verstärkten sich wie wir feststellen mussten im Locco Barocco erheblich, da wir dort, wie wir vermuteten, mit räumlich bedingten Schallverzögerungen zu kämpfen hatten, so dass mein „Subba“ erst zwei-drei Minuten nach Henkes Frage ertönte (was natürlich wirklich nur an einer Schallverzögerung lag und nicht daran, dass ich nicht zugehört hätte). Diesmal verzichtete der Henke gnädigerweise auf eine Schuldzuweisung. Nicht lange nach Mozarts zweiter Ankunft an der Location strömten aus der Küche die appetitanregensten Düfte. Wer als Gast ins Locco Barocco kommt, den erwarten nicht nur wunderschöne und stimmungsvolle Räumlichkeiten, sondern eine wunschlos glücklich machende Rundumbetreuung mit gutem Essen und leckeren Getränken. Schon bevor jedoch die Küche auch nur betreten wurde, der Einlass noch in weiter Ferne lag, tauchte ein uns altbekanntes, blondes Wesen in Begleitung einer jungen Dame auf. Dies wäre normalerweise nicht unbedingt erwähnenswert, denn was wäre ein Auftritt ohne Publikum, doch in diesem Fall ist die Sache ein wenig anders, da dieses spezielle Wesen irgendwie überall auftaucht und grundsätzlich vieeel zu früh. Man fragt sich, wo ein Mensch so viel Zeit hernimmt?! Aber egal, zurück zum eigentlichen. Die Lesung selber sollte ein Ereignis mit Knalleffekt werden. Da, wie sich herausstellte, kein minderjähriges Publikum anwesend war, konnte Herr Henke sein erotisierendes Potential voll ausleben. Das war dann selbst für den hitzebeständigsten Scheinwerfer zu viel, so dass dieser bei „Wie schmeckt ein Kuss“ mit einem ohrenbetäubenden Knall durchbrannte. Dabei begann der Abend eher düster mit „Das schwarze Wesen“- ein Text, der auf keiner der ersten beiden Lesungen dargebracht wurde. Sehr begeistert war Oswald von der sich auf der Bühne befindlichen Lichttechnik, die auf Geräusche reagierte und somit während der einzelnen Texte die Farbe wechselte (eindrucksvoll von ihm demonstriert, indem er lautstark vor den Lampen auf und ab sprang und „Rot, blau, violett, grün, gelb“ rief).

Etwas weniger Platz als der werte Herr Henke auf der Bühne, hatten t.omate und ich hinter dem Merchandisestand. Aber was ein geübter Verkaufslakai ist, kommt auch mit dem kleinsten Raum aus und irgendwie sah es ja auch niedlich aus, t.omate in unserem kleinen Kabuff sitzen und am Laptop werkeln zu sehen. Dieses brachte ihn allerdings mehrfach an diesem Tag zum fluchen, da die Verbindung doch eher mäßig war, selbst wenn er auf der Straße sitzend den Arm wie eine Antenne in die Höhe streckte (was zugegebenermaßen ein wenig seltsam aussah).

Als sich der Abend dem Ende neigte, wartete dann noch eine leicht surreale Überraschung auf uns drei. Irgendwie muss Mozart beim buchen der Nachtunterkunft etwas falsch verstanden haben, oder hattet ihr schon mal Peitschen, Handschellen und einen frei hängenden Metallkäfig im Hotelzimmer??? Wo kam eigentlich der Schnee während der Lesung her und wieso war kein Emo da? Fragen über fragen, während sich für mich die Frage nach dem Swimmingpool geklärt hat. Es gibt Menschen, die deswegen aus Freiburg hinterher reisen und uns heute wohl sogar bis nach Thun in die Schweiz verfolgen.

 

 

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Kommentar von Shy | 2008-10-18

Für einen von Henke-Hase persönlich geschüttelten (Bizeps anschwell - rrrrrrrr) Swimming-Pool verfolge ich euch noch ganz woanders hin und bewerfe euch mit Buttons.

Kommentar von Barbara | 2008-10-18

Und wenn man bedenkt, dass ich nur mal kurz probieren durfte ist es umso erstaunlicher, dass ich meinen wohlverdienten babyfrei-Wochenende-Mutter-Mittagsschlaf ausfallen lasse, um Herrn Henke zumindest noch einmal schütteln zu sehen, auch wenn ich diesmal nichts abbekommen sollte...
Habe mich übrigens sehr sehr über die neue Textauswahl gefreut, man sollte eigentlich schon an der ganzen Lesereise teilnehmen, um sich die Werke komplett vortragen zu lassen *seufz*

P.S.: und wieso muss _ich_ eigentlich 9 und 8 addieren, und Shy nur 5 und 3? Die hatte es viel einfacher!!

Kommentar von Claudia | 2008-10-18

Oh wie geil. Die Berichte sind der Hammer und eigendlich müsste ich euch verbieten so tolle Berichte zu schreiben, da wir leider zu Hause bleiben müssen.
Aber ich hoffe ja, das es noch ganz viele Lesereise Termine an unseren freien WE geben wird.
Euch noch viel viel Spaß!
Drück
Claudia

Kommentar von Spectatorwelten | 2008-10-19

Nach Rüsselsheim vor 2 Jahren wieder eine geniale Lesung und ein Ereignis für die Seele.
Trotz platzender Beleuchtung ein Licht im Tunnel der vielen Gedanken, Abgründe und Gefühlsachterbahnen. Danke Oswald Henke, danke Karlsruhe.
Tränenreicher Abend mit Nachdenkgarantie, FSK 18 Kindheitsbrauselutscherwohlfühlabend.
Wermutstropfen: Gefühlloserdesinteressecrewmitbegleiter von Oswald Henke.
Schlimmer kann man die Gedanken von Oswald Henke nicht schlagen! Schade!
Danke nochmals Oswald für deine Worte!

Kommentar von Oswald Henke | 2008-10-19

Das Tribunal zu Thun hat geurteilt: t.omate ist schuld und Sternblume kann ma so gar nix dafür.

t.omate hat die alleinige Schuld auf sich genommen und wir mit einer Fleischschuld von 80g sühnen.
Ausserdem musste er heute 5 Mal auf Agonioze (pfui!) tanzen.

Ich, der neue König dieses Landes
O.H.

Kommentar von Constantin | 2008-10-19

Zu früh? Ich nenne das eher "rechtzeitig". Und von wegen die 1. 5 Gäste bekommen einen Sekt ;P (gut, nicht dass ich einen trinken würde, es geht ums prinzip).

Außerdem hat es sich bei dem Veranstaltungsort wirklich gelohnt früher da zu sein. Es war richtig gemütlich und sowohl fürs Leibliche als auch fürs geist(liche) gesorgt.

Gruß,

der Oswald-Groupie-Stalker

p.s: ich finde Euch... überall... noh bevor ihr da seid...
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