Reiseleitung »Seelenkonzil«

18.10.08 - Thun (CH)

2008-10-19 02:53 von t.omate (3 Kommentare)

Da wir uns nicht sicher waren, wie schnell man in der Schweiz überhaupt fahren darf, hat sich Sternblümli nach langem und lautem Zureden seitens Herrn Henke und somit teildemokratischem Konsens entschieden, 80 zu fahren. Ihr genervter Blick frohlockte jedoch bei dem Anblick des Schlosses zu Thun. Das Hotel „Emmental“ heißt bestimmt nur so, weil es eben jenen Käse zum Brunch gibt, wie Oswald und ich ja schon wissen. Waren wir doch vor zwei Jahren schon einmal hier.

Wir checken in eben dieses Hotel ein und finden vor:Sekt, Wasser, ein Obstkorb mit reichhaltiger Auswahl und allerlei Schokoladenspezialitäten. Sehr aufmerksam – da können sich unsere deutschen Veranstalter mal ein Beispiel nehmen!

Wir haben genug Zeit uns noch ein wenig das Städtchen (sind nicht alle Städte in der Schweiz Städtchen?) anzusehen und so ziehen wir los. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde beschließt Oswald, dass ich ja Stadtführer bin. Unvorbereitet wie ich bin, weise ich uns den Weg zurück ins Hotel (den weg finde ich) aber, da hab ich nicht mit O.H. gerechnet. Der will ein Eis. Jetzt. Sofort. Natürlich habe ich keine Ahnung, woher ich jetzt ein Eis bekommen soll und so entscheidet er sich, Bauchschmerzen zu haben und ins Hotel zu wollen. Verkündet und beschlossen dampft er ab. Ich stehe also mit dem Sternblümli (was freu ich mich wieder auf Deutschland, wo das Sternblume heißt) so in der Gegend rum und erzähle ein wenig von dem letzten Aufenthalt hier in Thun. Da war doch irgendwo dieses kleine Geschäft für den modebewussten schweizer Grufti. Da ich noch ungefähr den weg kenne, ziehen wir los. Huch, da ist ein Loch. Ein großes. Sehr großes. Da fehlt ein Gebäude. Schade, da war der Laden drinne. Auf der anderen Straßenseite laufen wir zurück und schwuppdiwupp zappzerapp ist er da, der kleine Laden. Kurz hinein und: Samt. Überall Samt. Pannesamt. Spitze. Rüschen und: noch mehr Samt. Oder Aderlass. Aber: kein Neonfirlefanz. Lustige kleine Accessoire, sphärische Musik und Raumnot machen diesen Laden aus. Vor dem Laden liegen diverse Flyer, auch von der Veranstaltung heute Abend und was soll ich sagen? Hochglanz! Ja, richtig. HOCHGLANZ! A5! Nehmt euch Beispiel!

Zurück ins Hotel, bei Herrn Henke auf dem Balkon mit wundervollem Ausblick auf das Schloss Sektchen trinken. Der Faulenzversuch unsererseits wird von Herrn Henke freundlich aber bestimmt (barsch) unterbunden und so geht es gen Schloss. Glücklicherweise wussten wir, dass wir mit dem Fahrzeug bis zum Schloss hoch fahren dürfen. Ich grinse ein wenig, weiß doch Sternblume noch nichts von den Treppen... Gefühlte 600 Stufen. Hoch in den Rittersaal. Und ja, wir müssen alles hoch tragen. Auch den Henke. Der ist heute lauffaul. Ihre Augen werden groß, als sie überall auf der Treppe und im Rittersaal die „Rauchen verboten“ Schilder sieht. Ich kenne den Rauchnotstand ja schon und kaue heimlich Nikotinkaugummis. Da wir nur wenig Merchandise mitgenommen haben, laufen wir nur EINMAL die Treppe hoch – das war der Plan. Aber, was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen und so erklimmen wir circa sieben Mal die Stufen in den Rittersaal, um unter anderem Oswalds Mobiltelefon aus dem Auto zu holen. Ich erwähnte, dass er heute Lauffaul ist. OK, die anderen sechs Mal habe ich selbst verursacht. Nun gut, hatte ich Grund zum Rauchen.

Die bei dieser Lesereise bisher schönste Location ist zusätzlich auch noch wunderschön dekoriert. Man gibt sich hier wirklich alle Mühe, ein stimmungsvolles Ambiente zu schaffen. Der Veranstalter Tom (aka dieStille) und sein Team leisten hier Schwerstarbeit und fühlten uns bestens aufgehoben. Der Soundcheck dauerte zu unserer Freude genau 1,5 Minuten. Langsam können wir das mit den Ziegen, die irgendwas irgendwo hin ziehen nicht mehr hören.

Sternblume, ihres Zeichens großer Fan der schwarz-gelben hatte ein ebensolches Outfit an („Summ summ ich bin die Biene Maja“ – „ICH will „Honigklößchen“) und wir mussten Sie im Hotel noch einmal umdekorieren. Von dort ging es in den zweiten Veranstaltungsort, wo nach der Lesung von Oswald die Metallspürhunde spielen würden und vorher das Catering aufgefahren wurde. Lecker Asiatisches gab es vom warmen Buffet. Einhellige Meinung: Wirklich lecker! (Der Henke meint natürlich nicht lecker sondern vorzüglich. Bitte beachten Sie diesen Hinweis).

 

Passend zur Location und dem Ambiente begann die Lesung gar königlich mit „König sein für eine Nacht“. Wie versprochen: alles bleibt anders, so fanden heute auch „Gleiten“ und „Die Form“ Einzug in das Leseprogramm. Dem sehr hübsch zurecht gemachten Publikum bot der König für eine Nacht ein Spektakel sonder gleichen: Akrobatik, Wettbewerbe, weiße Tiger (oh.. streichen sie die Tiger). Heute murmelte er gegen zwei Eidgenossen und jawohl, Henke hat gewonnen. Das erste Mal auf dieser Reise. Rein technisch gesehen war Gegner Eins im Aus und Gegner Zwei einfach zu ungeschickt und hat leider nach sehr gutem Start (nach dem er in Führung lag) leider leider die Murmel getroffen und war somit raus. Eigentlich war Oswald auch schon längst raus, hätte er nicht mit einer spektakulären Akrobatikleistung seine Murmel gerettet. Drehung im Flug um 180°, dabei NICHT die erste Reihe zertrümmern und mich auch noch anlächeln. Ich muss wohl eher wie ein Auto geschaut haben, da ich leider mit der Kamera beschäftigt war und einfach davon ausging, dass er seine Serie beibehält und verliert. Zum Trost gab es für die Verlierer handgeschüttelte Cocktails. In der Pause kam Shy vorbei und brachte neue Buttons. Verfolgt die uns? Und wieso hat die dauernd neue Buttons? Das klären wir ein andermal.

Von der Rolle des Bestrafers schrieben wir ja schon hier, heute allerdings musste der Bestrafer bestraft werden. Sein mobiles Telefon fing an lustige Geräusche zu machen und, anstatt es abzuwürgen, nein, er las die SMS. Völlig unbekümmert schaute er auf sein Handy und kam nur schwerlich der Aufforderung sich bewerfen zu lassen nach. Das erste Mal stellte Henke jemanden an die Wand und jetzt wissen wir auch, warum er das nicht selbst erledigen kann. Auf einer Distanz von drei Metern trifft er nicht mal ein Scheunentor. Sonst verlief die Lesung ohne Probleme, keine Verhaspler, keine Versprecher und er ist nur einmal fast erstickt. Was vergisst der Mann auch zu atmen. Dafür vergaß er nicht, von der Bühne ins Publikum zu springen und lauthals den „Mittsommernachtstraumspaziergang“ zu lesen. Für den Sprung geb ich ihm 9,5 Punkte und nochmals 8,5 für die Haltung.

Nach der Lesung war es so weit. Die ja auch hier angekündigte Tanzveranstaltung mit Bildungsauftrag fand statt. Merklichster Unterscheid: Das Publikum zur Lesung war dann doch mehr herausgeputzt und wirkte einfach angenehmer als das Tanzpublikum. Vielleicht lag es auch daran, dass das Lesepublikum nicht mit Metflaschen in der Hand durch die Gegend wankte, aber das sind Details. Henke absolvierte eine eineinhalbstündige Lehreinheit hinter dem Mischpult und am Ende fanden wir unseren Weg in das Hotel um ein wenig zu schlafen. Morgen schreibt das Sternblümli, ich verabscheide mich, der Geißen-t.omate.

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Kommentar von Claudia | 2008-10-20

*seufz*
Thun ist wirklich wirklich eine Reise wert! Vor 2 Jahren waren wir auch in Thun und werden diese schöne Lokation und das Städtchen wohl nie vergessen!
Lg
Claudia

Kommentar von Fabian | 2008-10-27

Ich möchte euch noch danken für die äusserst unterhalstame und geistanregende Lesung. Wie ich las zog es euch vor der Lesung noch in die Stadt und ihr habt den Laden "Dark Love" noch gefunden. Hehe, hab mit der Kollegin welche den Laden führt, gesprochen und sie hat es nicht mal bemerkt das ihr da gewesen seid. Nun ja, als ich es ihr erzählte, ist es ihr leicht säuerlich aufgestossen, dass sie an diesem Tag so viel zu tun hatte und es nicht richtig realisierte. Nun ja wir hoffen ihr kommt wieder einmal vorbei, wir würden euch zu einem Stadtrundgang einladen und zeigen euch, dass Thun noch andere Sachen zu bieten hat, als Baustellen und Hotel`s ;)
Da ich als "Seifenblasenmann" nun markiert bin und dank Oswald hier nen neuen Übernamen hab, zeig ich ihm auch wo man das beste Eis der Stadt bekommt... ;)

Ich wünsch euch weiterhin alles gute und hoffentlich bis bald!

Lg Fäbu

Kommentar von Lily White | 2008-11-17

... man hätte doch auch extra für das schweizer publikum ein kurzspiel einstudieren können mit HEIDI aka Sternblümli, GEISENPETER aka T.omate und ALMÖHI aka ... öhm ... naja ihr wisst schon ;-)

bis zu dieser stelle genieße ich jedenfalls sehr euren tourbericht. klingt alles nach sehr viel spass.
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